Schriftzug „Musik im Lager“ auf einem Farbverlauf von Orange über Pink zu Violett

Musik im Lager

Kunde Gedenkstätte Sachsenhausen

Zeitraum
–
Leistung
  • Musik
  • Webdesign
  • Digitalstory

Eine Geschichte ohne Klang

Im Konzentrationslager Sachsenhausen mussten Häftlinge unter Zwang musizieren – bei Appellen, bei Erschöpfungsmärschen, in Häftlingsorchestern, die von der SS zur Machtdemonstration eingesetzt wurden. Zugleich war Musik für viele Inhaftierte eine der wenigen Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben und Sprachbarrieren zu überwinden: Beim heimlichen Singen und Musizieren abends in den Baracken entstand ein kultureller Austausch, der Trost und Identität spendete.

Smartphone zeigt die Startseite der Anwendung „Musik im Lager“ der Gedenkstätte Sachsenhausen: Kacheln mit Porträts, Titeln und Abspielknöpfen

Die Musikstücke und Biografien von acht Musikern, die im Lager Sachsenhausen komponierten und musizierten existierten als historische Quellen – hörbar gemacht wurden sie in der Ausstellung der Gedenkstätte bislang jedoch nicht. Genau hier setzte die Gestaltungsaufgabe für ZOFF an: aus Archivmaterial Geschichten zu machen, die man nicht nur liest, sondern auch hört.

Entwickelt hat ZOFF das Projekt gemeinsam mit der Gedenkstätte Sachsenhausen und einer Gruppe Jugendlicher. Im Gespräch mit den jungen Menschen wurde für die Konzeption schnell klar, was diesen fehlte: nicht noch mehr Informationstafeln, sondern Raum für die eigenen Gefühle angesichts dessen, was an diesem Ort geschah. Aus dieser Erkenntnis entwickelte ZOFF eine bewusst einfach gehaltene Oberfläche, die den Zugang zum Thema NS und Musik nicht über Fakten, sondern über die Musik und die Musiker selbst eröffnet – Emotion vor Information.

Screenshot von „Musik im Lager“: Karte „Sachsenhausenlied“ mit Porträt und Abspielknopf, daneben ein historisches Foto von zwei Wandernden an einem Brunnen
Hohe, schmale Informationsstele im Freien mit grünem Streifen und QR-Code

Im Zentrum steht eine Website mit einer Playlist aller acht Lieder, auf der die Musik der Musiker erstmals real hörbar wird. Jede der acht Geschichten erzählt im Wechsel kurzer Snippets aus Ton, Bild, Video und Text – so bleibt der Zugang leicht und abwechslungsreich. Auf dem Gelände markieren Schilder mit QR-Codes die acht Stationen und führen direkt auf die jeweilige Song-Seite, sodass sich die Playlist unmittelbar vor Ort abspielen lässt:

Hände halten einen aufgefalteten Faltplan mit Porträtkarten, QR-Codes und dem Schriftzug „Musik im Lager“
Zwei Personen stehen im Freien auf einem Pflasterweg: Eine Person mit Kappe hält einen Lautsprecher vor sich, die andere hört zu.
Mehrere Personen hören im Freien aufmerksam zu, im Vordergrund eine Person mit weißer Mütze und eine mit Schal

Für Einzelbesucher:innen, die sich den thematischen Rundgang ohne Führung selbst erarbeiten wollen, gestaltete ZOFF die Karte zusätzlich als Faltflyer. Wer den Workshop bucht, startet mit einer gemeinsamen Führung zu den Stationen; anschließend erarbeiten Kleingruppen die Geschichte je eines Musikers, bevor die Interpretationen der Biografien und musikalischen Quellen gemeinsam diskutiert werden.

Erinnerung, die zuerst berührt

Indem ZOFF den Zugang zu einem der schwersten Kapitel deutscher Geschichte über Musik statt über Text öffnet, entsteht ein emotionaler Erinnerungszugang gerade für Jugendliche und Einzelbesucher:innen – und ein Beleg dafür, dass gute Gestaltung auch bei sensiblen Themen zuerst berühren und dann informieren kann.

Historisches Schwarz-Weiß-Foto: Fünf Personen sitzen dicht beieinander vor einer Holzwand, eine spielt Gitarre, Rosebery d’Arguto in der Bildmitte singt mit offenem Mund
Check's aus → 🔗 musik-im-lager.de

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